Daniel Lieske alias digitaldecoy , Geboren 21. September 1977, Arbeitet als Digitaler Illustrator, Conceptdesigner, Comiczeichner und Webdesigner. Im Web ist er bekannt als digitaldecoy und leitet mit seinem Team zusammen das digitalartforum.
Hallo Daniel, was begeistert Dich dazu als Grafiker und Painter zu arbeiten? Soweit ich weiß, braucht man dafür schon eine gewisse Ausdauer.
Ich glaube, jeder Mensch sucht sich in seinem Leben irgendeine Leidenschaft, irgendein Wissengebiet, Handwerk oder Hobby, in das er so tief eintauchen möchte, wie es geht. Keine Ahnung, wo dieser Drang herkommt, aber es ist irgendwie dieses Gefühl, in ein unbekanntes Land einzudringen und hinter jeder Ecke etwas neues zu entdecken. Vielleicht ist es auch einfach Neugier,die einen immer wieder dazu treibt, hinter die nächste Ecke schauen zu wollen.
Eine sehr lange Zeit war meine Hauptmotivation der Wunsch, hinter das “System Malerei” zu steigen und so viel Wissen auf dem Gebiet anzuhäufen, wie es geht. Besonders die digitale Malerei bietet dort noch unheimlich viel unentdecktes Land für mich und da sich dieses Gebiet durch neue Hard- und Software ständig weiterentwickelt, wird es da sicher noch lange nicht langweilig werden. Seit einer Weile fasziniert mich neben dem handwerklichen Aspekt auch noch die Möglichkeit, über die Bilder zu kommunizieren.
Das hört sich jetzt vielleicht merkwürdig an, aber mein primäres Ziel war es tatsächlich lange Zeit, einfach schön aussehende Bilder zu malen. Die Inhalte blieben dabei oft auf der Strecke. Mittlerweile male ich privat viel weniger aber dafür mache ich mir mehr Gedanken darüber, was ich male. Ich arbeite an meinen Bildern mittlerweile stärker nach emotionalen Aspekten als nach technischen. Na ja, zumindest versuche ich das. Den Techniker werde ich wohl nie 100%ig außen vor lassen können.
Ab wann hast Du mit dem Zeichnen begonnen?
Das ist ja quasi die Standardfrage in solchen Interviews und ich würde sagen, die Antwort darauf ist eigentlich nicht besonders interessant. Schließlich zeichnen alle Kinder ab einem bestimmten Alter und im Kindergarten werden sie ja auch dazu ermutigt zu zeichnen und zu basteln. Interessant ist vielleicht eher die Frage, warum ich nicht damit aufgehört habe, wie die meisten es ab einer bestimmten Zeit tun. Ich denke, wichtig ist dabei ein Schlüsselerlebnis, welches ich in der Schule hatte.
Ich habe damals kleine Comic-Strips über unsere Lehrer gezeichnet und da ich da eine Menge Ideen zusammenbekommen habe, habe ich ein ganzes Heft damit gefüllt. Das habe ich dann auf dem Kopierer meines Vaters 100 Mal kopiert, geheftet und habe mich damit auf den Schulhof gestellt. Die Leute haben die Hefte gekauft und fanden sie klasse. Ich habe dann noch zwei weitere Hefte gezeichnet und das letzte Heft war dann schon so kalkuliert, dass es durch einen Copy-Shop vervielfältigt und geheftet werden konnte. Zur Krönung der ganzen Sache wurde dann ein Jahr nach meinem Abi aus meinen Geschichten eine Theateraufführung für ein Schulfest gestaltet.
Das Gefühl, meine Figuren auf der Bühne zu sehen und sich am Ende vor der applaudierenden Menge zu verbeugen, werde ich niemals vergessen. Diese Zeit damals hat tief in mir die Gewissheit verwurzelt, dass man mit Geschichten, Zeichnungen und Ideen Leute begeistern kann. Es ist sehr wichtig, solche Dinge Mal am eigenen Leib zu erfahren. Das gibt einem unheimlich viel Energie dafür, auch langwierige Dinge anzugehen und das Vertrauen zu haben, dass es nicht umsonst ist, Mühe in seine Hirngespinste zu stecken.
Ist dieses Erlebnis, oder das Gefühl, das dir damals wiederfahren ist, auch heute noch ein wertvoller Bestandteil deiner Motivation weiter zu machen?
Ich denke, dieses Erlebnis ist heute noch die Basis meiner Motivation. Ich denke der Mensch braucht so ein paar grundlegende Erlebnisse, um mit seinemLeben klarzukommen. In diesem Fall hat mir dieses besondere Erlebnis ein Urvertrauen in die Tatsache gegeben, dass man mit Dingen, die andere Leute vielleicht “Spinnereien” nennen würden, etwas aufbauen kann.
Bestätigt wird mir dieses Vertrauen heute immer wieder auch durch das Feedback im Internet oder durch Emails, die mich von vollkommen fremden Menschen erreichen, die sich begeistert über meine Bilder äußern. Schön finde ich dabei, dass ich immer häufiger positives Feedback auf die eigentlichen Inhalte meiner Bilder bekomme und nicht nur über den handwerklichen Aspekt.
Welche Arbeit, oder Aufträge machen dir persönlich am meisten Spaß, Welcher Auftrag hat dich als letztes Positiv in Anspruch genommen?
Es macht mir am meisten Spaß, Beschreibungen von anderen aufzunehmen und diesen eine visuelle Form zu geben. Da ich hauptberuflich als Concept Artist in der Computerspieleindustrie arbeite, habe ich dazu natürlich oft Gelegenheit. Es ist eine spannende Sache, eine Textbeschreibung vorliegen zu haben und dem Ganzen dann eine Form zu geben. Das ist ein bißchen so, als würde man die Ideen anderer Leute materialisieren, als würden Dinge einfach aus Gedanken entstehen.
Nun bist Du ja nicht nur selbst Zeichner, Du ermöglichst auch vielen deutschen Künstlern, zusammen mit deinem Team, sich auzutauschen. Seit wann gibt es das Forum, und wieviel Zeit investierst Du darin? War das schon immer so?
Das digitalartforum existiert seit 2006, aber die Community wurde schon im Jahre 2001 ins Leben gerufen, als ich auf meiner Webseite das Digitaldecoy Forum eröffnet hatte. Damals habe ich eine Menge Zeit in die Community investiert und war auch extrem aktiv. Das war sozusagen die heiße Zeit, als ich alle neuen Eindrücke aufgesogen habe, wie ein Schwamm.
Nach ein paar Jahren habe ich dann langsam zu der Erkenntnis gefunden, dass die extreme Beteiligung an so einer Community auch ihre Schattenseite haben kann und seitdem habe ich meine Aktivität schon deutlich eingeschränkt. Das digitalartforum wurde nicht zuletzt auch deshalb gegründet, damit wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen können. Die meiste Zeit, die ich heute in die Community investiere, wandert in die Conventions.
Im Forum selbst habe ich mich die letzten Monate etwas zurückgehalten, weil ich im Rahmen meiner privaten Projekte viel konzeptionell arbeite, wobei im Grunde keine Bilder entstehen sondern eher Notizen, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind. Ich denke aber, dass meine Aktivität in der Zukunft eher wieder ansteigen wird, besonders wenn ich aus meinen Konzepten Bilder entwickeln werde.
Viele Administratoren machen das ja aus dem Grund heraus zu helfen. Ist das bei dir auch so?
Ich bin eigentlich ein typischer Lehrertyp mit Tendenz zum Klugscheißer. Ich liebe es, anderen Leute irgendwelche Zusammenhänge zu erklären oder mit ihnen lebhaft über Zusammenhänge zu diskutieren. Als ich 2001 anfing, aktiv das Internet zu nutzen, fehlte irgendwie ein geeigneter Ort, um sich im deutschsprachigen Raum intensiv über Digital Art auszutauschen. Die Gründung der Community kann man also fast schon als eigennützig bezeichnen, denn ich dachte mir, wenn es keinen solchen Ort gibt, dann mache ich halt einen auf. Und wir haben viel gelernt und diskutiert in den letzten Jahren und tun es noch.
CG Talk, wir alle kennen CGtalk. Wann bist Du das erste mal damit in Berührung gekommen? Und was hat Dich überzeugt an einer Challenge teilzunehmen?
Ich bin schon ziemlich früh auf CG Talk gestoßen. Das war eine der Adressen, wo ich mit dem Konzept der Online-Community überhaupt erst in Berührung gekommen bin. Ich fand diese große Community allerdings immer zu unübersichtlich um mich dort intensiver zu beteiligen. Mittlerweile nutze ich deren Angebote aber regelmäßig, bin auch zahlendes Mitglied und habe dort ein Portfolio angelegt. An der Challenge habe ich damals teilgenommen, weil das Thema wie die Faust auf’s Auge zu einer Bildidee passte, die ich wenige Wochen vorher hatte.
Ich kämpfte damals mit dem Problem, dass ich mich nicht zu aufwendigeren Bildern überwinden konnte, wenn kein Druck bestand und da kam mir die Challenge sehr gelegen. Ich wollte unbedingt dieses Bild malen und die Challenge machte mir das nötige Feuer unter dem Hintern. Rausgekommen ist dabei ein Bild, welches für mich eine zentrale Bedeutung besitzt, denn es ist der Startpunkt eines Projektes, in das ich mittlerweile sehr viel Zeit und Energie investiere und von dem man in der Zukunft hoffentlich noch einiges sehen wird.

Kannst Du uns mehr über dieses Projekt verraten, oder ist das noch alles unter Verschluß?
Ich habe schon im Forum das ein oder andere Mal angedeutet, dass sich um den Jungen auf dem Dachboden mittlerweile eine Story entwickelt hat. Das hat mich auch dazu veranlasst, ein weiteres Bild mit diesem Charakter zu malen, dessen Entstehungsprozess ich auch ziemlich detailliert dokumentiert habe. Beitrag im digitalartforum
Seit 2005 führe ich ein kleines Notizbuch, in das ich Ideen notiere, wenn sie mir in den Sinn kommen. Mittlerweile hat da die Zeit für mich gearbeitet und die Story hat in ihrer Rohform ziemlich große Dimensionen angenommen. Ich überlege derzeit, wie ich damit weiter arbeiten kann. Für einen Comic ist die Story fast schon zu umfangreich, aber einen Roman zu schreiben würde wenig Sinn machen, da ich ja großen Wert auf den visuellen Aspekt lege. Ich weiss noch nicht so recht, in welche Richtung sich die Sache bewegen wird, aber ich sammle weiter fleißig Ideen und die allerersten Ergebnisse, die sich daraus ergeben werden, werden hochwahrscheinlich neue Illustrationen sein, die ich dann natürlich auch veröffentlichen werde.
Wirst du in Zukunft wieder teilnehmen?
Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage. Tatsächlich ging es mir bei meiner Teilnahme an der Challenge gar nicht so sehr um die Competition sondern es ging mir um das Bild. Wenn die Bildidee nicht vorher schon existiert hätte, hätte ich sicher nicht teilgenommen und daher ist es sehr fraglich, ob ich den Aufwand noch Mal treiben werde. Wahrscheinlicher ist für mich im Moment, dass ich mich stärker auf meine eigenen Sachen konzentriere. Aber man soll ja niemals nie sagen. :)
Vor kurzem hast du eine DvD herausgebracht, (ich habe sie leider noch nicht gesehen). “Digital Painting” eine Lern Dvd von Video2Brain. Wieviel Zeit hat es in anspruch genommen diese DvD zu realisieren?
Die DVD wurde in den Studios von Video2Brain aufgezeichnet und ich bin dazu für eine Woche nach Graz in Österreich gereist. Ich habe dann jeden Tag gut 8 bis 10 Stunden an den Aufnahmen gesessen.
Hat dir die Arbeit Spaß gemacht?
Die DVD zu machen hat auf jeden Fall Spaß gemacht, obwohl es auch sehr anstrengend war. Ich bin für die Möglichkeit, diese DVD gemacht haben zu können, sehr dankbar. Ich halte Videos für ein extrem gutes Medium, um Wissen zu vermitteln und wenn man so viel Zeit bekommt, um sich in das Thema zu vertiefen, kann man die Möglichkeiten auch ideal nutzen.
Enttäuscht es Dich wenn Deine eigenen Foren-Mitglieder oder irgendjemand die DvD im Internet “saugt”, oder gehst du damit locker um?
Ich kann es natürlich nicht gutheißen, wenn Leute sich meine oder andere DVDs runterladen. Die Leute machen sich vielleicht auch ein falsches Bild davon, wie solche Produktionen angelegt sind. Wenn man so eine DVD im Laden sieht, dann denkt man gleich, dass da irgendwo das große Geld gemacht wird und dass es schon keinem wehtun wird, wenn man sich eine Kopie aus dem Netz zieht. Tutorials sind aber keine Kinofilme, es werden nicht Hunderttausende Exemplare davon verkauft, besonders nicht, wenn es sich um so hochspezielle Themen wie Digital Painting handelt.
Gerade im deutschsprachigen Raum sind die Stückzahlen wirklich sehr überschaubar, die über den Ladentisch gehen und jede Raubkopie macht sich da am Ende in der Bilanz schmerzhaft bemerkbar. Im Endeffekt sind diese Produktionen sehr knapp kalkuliert und wenn sie sich nicht rechnen, dann wird es in Zukunft halt keine mehr geben.
Ohne die Unterstützung von Video2Brain, die mir meinen Aufwand bezahlt und eine hochwertige Postproduktion gemacht haben, hätte es dieses Tutorial nicht gegeben. Ich hätte keine Zeit, mich eine volle Woche konzentriert an so ein Projekt zu setzen um es dann z.B. kostenlos ins Internet zu stellen. Wenn man sich die DVD kauft, macht man mich nicht reich. Aber man erhöht die Chance, dass irgendwann Mal wieder jemand Geld investiert, um Leute wie mich in ihr Studio zu setzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen zu bündeln und in ein Video zu bannen.
Gibt es ein Thema das du gerne auf einer DvD zu einem Tutorial verarbeiten würdest?
Ich denke, wenn ich noch eine weitere DVD produzieren dürfte, dann würde sich diese tiefgehender mit digitalen Techniken befassen, die traditionell nicht mehr umsetzbar sind. Meine erste DVD zeigt einen sehr klassischen Ansatz, der auch von digitalen Neulingen leicht nachzuvollziehen ist. Im digitalen Bereich gibt es aber auch sehr viele Werkzeuge, die vormals gänzlich unmögliche Workflows ermöglichen. So ein Tutorial wäre vermutlich die perfekte Ergänzung zur aktuell vorliegenden DVD.
eine letzte Frage noch: Was würdest du gerne den vielen Paintern Skribblern Sketchern und Pinselfreaks da draußen sagen?
Ich würde jedem raten, Geduld und Ausdauer zu üben. Die moderne Kommunikationsgesellschaft und vor Allem das Internt suggerieren einem, dass man in einem irrsinnigen Tempo arbeiten müsse. Die vielen anderen Artists, die jeden Tag neue Bilder posten und die irrsinnige Qualität der Sachen, die man im Internet sieht, können einen ganz schön unter Druck setzen. Ich selbst habe eine lange Phase gehabt, in der ich zwanghaft jeden Tag irgendwas im Internet posten musste, nur um nicht das Gefühl zu haben, den Anschluss zu verlieren.
Dieser Zwang erzieht einen zur Oberflächlichkeit und nicht ohne Grund sind Speedpaintings und Scribbles die häufigsten Inhalte in den Art-Foren dieser Welt. Man sollte sich jedoch klarmachen, dass die beeindruckensten Artworks von Leuten stammen, die wirklich viel Zeit und Mühe in ihre Arbeiten stecken und die sich auch nicht scheuen, ihre Artworks erst mal konzeptionell auszuarbeiten und auch Änderungen zu machen, wenn es sein muss.
Man darf sich seinen Arbeitsrhythmus nicht von außen aufzwingen lassen (auch wenn das bei Aufträgen leider oft genug der Fall ist) und muss ein Bild auch Mal für eine Woche liegen lassen können. Besonders bei privaten Arbeiten sollte man den Grundsatz “Qualität vor Quantität” befolgen.
vielen herzlichen Dank für dieses Interview, und wenns was neues gibt, dann wird das sicher hier zu lesen sein. Wer gerne die Arbeiten von Daniel Lieske genauer unter die Lupe nehmen will: Portfolio von Daniel Lieske
WooW, wusste garnicht. Das er es war mit dem Interwiev, habe die DVD nämlich im Büro gesehen und finde sie Gut :)
Vielen dank, hat Spaß gemacht es zu lesen.
ja is natürlich auch mal gut das dinge ausgesprochen werden über die manche sich einfach nich so den kopf machen.
[...] ich hier ein Interview mit Daniel Lieske veröffentlicht hatte und auch die macher von Video2Brain darauf aufmerksam wurden, habe ich den [...]
Schönes Interview, mehr davon!
[...] Paintblog gibt es ein ausführliches Interview mit Daniel Lieske, dem Autor des Video-Trainings “Digital Painting”. Am Ende spricht er auch kurz über [...]